Wie wir eine Krise bewältigen!

Wie wir eine Krise bewältigen! Krisenmanagement in Zeiten des Corona-Virus

Krisenmanagement in Zeiten des Corona-Virus

Größte Herausforderung an die Wirtschaft und an das soziale Leben in Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg – so wird die aktuelle Krise, verursacht durch das Corona-Virus, eingeschätzt. Unsere Branche, die Hotellerie und Gastronomie trifft es besonders hart. Durch die Schließung aller Gastronomien und bedingt durch das Verbot von touristischen Reisen, liegt unsere Branche am Boden. Mit nicht vorhersehbaren Folgen und Schäden. 

Seit dem 15. März 2020 überschlagen sich die Nachrichten. Eine Meldung jagt die nächste. Getroffene Maßnahmen wurden innerhalb von wenigen Stunden wieder über den Haufen geworfen, weil bereits die nächste Meldung und darauffolgende Maßnahme die erstere überholt hatte. So ging das einige Tage. In schwindelerregendem Tempo.

Nun stehen wir, die Hotellerie und Gastronomie und die damit verbundenen Branchen, vor den Fragen:

  • Wird mein Unternehmen diese Krise überleben? Was kann ich tun, dass ich in dieser Zeit liquide bleibe?
  • Wann geht es weiter, bzw. kann die Geschäftstätigkeit gestartet werden? Eine entscheidend wichtige Frage, denn davon hängt das Szenario der Zukunftspläne ab!
  • Wie geht es weiter? Was wird sich ändern im Verhalten meiner Zielgruppen? Wie wird der Markt danach aussehen?

Bevor ich zu der Beantwortung dieser Fragen komme, will ich ein paar Worte zur Krise generell sagen. Denn eine sachliche Betrachtung einer Krise, was sie darstellt, wie sie verläuft und wie man damit umgeht, kann schon mal eine neue Perspektive schaffen. Und genau darauf kommt es an!

In der Tat, Krisen werfen uns aus dem Gleichgewicht. Mit einem Schlag werden wir von einem Normalzustand, Routinezustand, in einem Ausnahmezustand katapultiert. Dieser Ausnahmezustand hat zwei große Aspekte – einen sachlichen, im Falle der Corona-Krise einen wirtschaftlichen, und verschiedene emotionale Aspekte, die oft eng miteinander verknüpft sind. Diese Aspekte sind für jeden von uns unterschiedlich, für unsere Branche sind wahrscheinlich die Aspekte Wirtschaftlichkeit und Existenzängste ausschlaggebend.

Doch schauen wir uns mal sachlich an, wie eine Krise verläuft und was sie ausmacht. Eine Betrachtung aus einer neutralen, sachlichen Perspektive ist oft ein erster Schritt. In meinem Studium der Touristik hatte ich im achten Semester die Vorlesung „Krisenmanagement“. Und wie´s der Zufall will, bin ich gerade in dieser Zeit meines Lebens durch eine existenzbedrohende Krise gegangen. Das Wissen rund um den Ablauf und die praktische Bewältigung einer Krise sind mir bis heute allgegenwärtig. Denn hier hat sich erlerntes Wissen mit durchlebter Erfahrung gepaart. Und das hat mir bis heute immer wieder sehr gut und brauchbar geholfen.

Die Phasen der Krisen-Bewältigung

Eine Krise läuft in vier Phasen ab und ist bei allen Menschen (und Unternehmen) identisch, jedoch mehr oder weniger ausgeprägt, je nach Wissen und Vorerfahrungen. 

Phasen der Krisenbewältigung - Krisenmanagement
Phasen der Krisen-Bewältigung

Insbesondere die Vorerfahrungen mit Krisen spielen emotional eine sehr wichtige Rolle. Viele Menschen verfallen, bzw. fallen bei hohen emotionalen Belastungen in Grundmuster zurück (Fachwort: Regression). Es kommen unbewusst alte Verhaltensmuster zu tragen, die hinderlich bei der Bearbeitung, Bewältigung und Neuorientierung in der Krise sind. Meistens sind es Verlustängste, die ein konstruktives Suchen nach Lösungen verhindern und zu unreflektierten Reaktionen führen. Das Verfallen in alte Verhaltensmuster suggerieren unserem Verstand ein vertrautes Vorgehen und somit Sicherheit. Das Gehen neuer Wege/Lösungen ist hingegen mit Ungewissheit/Unsicherheit verbunden und wird daher oft unterlassen.

Bestimmt haben Sie in den letzten Tagen immer wieder ein Wort gelesen, das genau die Eigenschaften zusammenfasst, die erfolgsversprechend sind: die Resilienz! Sie zeichnet erfolgreiche Krisenmanager und Menschen aus, die mit brauchbaren Lösungen und emotional gestärkt aus einer Krise kommen.  Resilienz bedeutet auch Krisenfestigkeit und Widerstandsfestigkeit und beschreibt wie schnell sich ein Unternehmen oder ein Mensch nach einem Schock wieder erholt. An dieser Stelle zitiere ich Wikipedia mit der Definition:

Resilienz oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Mit Resilienz verwandt sind u.a.  Bewältigungsstrategien  (Coping) und Selbsterhaltung (Autopoiesis). Das Gegenteil von Resilienz ist Verwundbarkeit. 

Nun liegt nicht alles an unseren persönlichen und sozialen Ressourcen, um diese Corona-Krise zu bewältigen. Nicht alles liegt in unserer Hand, wir sind immer auch abhängig von weiteren externen Faktoren. In dieser Krise ist die Faktor Zeit, also Dauer der Krise die große Unbekannte. Und niemand will zuverlässig sagen, wie sich das Virus (und wir Menschen) in den nächsten Wochen verhalten wird.

Trotzdem und gerade deswegen sollten wir auf die Faktoren abzielen, die in unserer Hand liegen und die wir bereits jetzt beeinflussen können!

Daher komme ich wieder auf meine eingangs gestellten Fragen zurück.

Ehrlicher- und seriöser Weise kann niemand tatsächlich und konkret sagen, ob Sie wirtschaftlich und emotional gut durch diese Krise kommen. Zu viele Faktoren spielen dabei eine Rolle, die aktuell nicht absehbar sind. Mit Optimismus und einer guten Portion Mut lassen sich jedoch schon jetzt Maßnahmen anschieben, die Sie zumindest für die nächsten ca. drei Monate „über Wasser“ halten.

1. Wird mein Unternehmen die aktuelle Krise überleben?

Wenn Sie alle Maßnahmen getroffen, bzw. in den nächsten Tagen treffen werden, die Ihnen zur Verfügung stehen, sollten Sie über die Shutdownzeit und über einige Wochen danach (ca.8 bis 10) hinwegkommen. Welche Maßnahmen sind das?

  • Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld – bis 100%
  • Soforthilfe – nicht rückzahlbar – beantragen und in Anspruch nehmen.
  • Stundung der Steuern und Sozialversicherungsbeiträge
  • Kurzfristige Erhöhung der Kontokorrents von 3 bis 6 Monate
  • Aussetzung der Tilgungen für Bank-Darlehen
  • Überprüfung aller variablen Kosten und Reduzierung dieser, wo möglich
  • Überprüfung aller fixen Kosten und Reduzierung, wo möglich

Eine Checkliste aller Maßnahmen können Sie bei der Unternehmermanufaktur anfordern.

2. Wann geht es weiter? Wann kann mit der Aufnahme meiner Geschäftstätigkeiten gerechnet werden?

Auch hier gibt es keine konkrete Antwort dazu. Zwar gibt es Forderungen von Wirtschaftsexperten gegenüber der Politik sich entsprechend festzulegen, bzw. ein Ausstiegsszenario vorzustellen. Aufgrund von humanitären Aspekten will sich jedoch kein Politiker konkret dazu äußern. Eine Wiederaufnahme könnte, wenn man sich an China orientiert, ca. 6 Wochen nach dem Verhängen des Shutdowns schrittweise stattfinden.

Abgesehen davon können Sie jedoch schon jetzt sehr viel tun, um Ihre Geschäftstätigkeiten so schnell wie möglich aufzunehmen.

  • Bleiben Sie mit Ihren Stammgästen über alle möglichen Kanäle in Kontakt. Informieren Sie Ihre Gäste über Ihre aktuellen Tätigkeiten, ob es um Renovierungen geht, Vorschläge und Tipps fürs Kochen & Backen während der Ausgangssperre, Tipps für den nächsten Urlaub- und Kurzurlaub, oder vielleicht sogar über einen Wiedersehens-Kracher/Sonderangebot, wenn´s losgeht!
  • Bringen Sie Ihre Webseite auf Vordermann und arbeiten Sie an der Optimierung dieser. Sobald Sie wieder mitten im Geschäft sind, bleibt Ihnen nicht mehr so viel Zeit dafür. Hierzu gibt es einige (finanzielle) Förderungen, die Sie in Anspruch nehmen können (z.B. das Förderungsprogramm go digital).
  • Erarbeiten Sie Ihre Planzahlen für 2020 und entwickeln Sie verschiedene Szenarien. So sind Sie bestens vorbereitet, falls Sie weitere Gespräche mit Banken und Förderbanken führen sollten. Übrigens ist die Arbeit an den eigenen Zahlen eine hervorragende „Übung“, um Klarheit und Sicherheit über die eigene finanzielle Lage zu haben und rasch Entscheidungen treffen zu können.
  • Schulen und entwickeln Sie Ihre MitarbeiterInnen weiter und zeigen Sie ihnen dadurch, dass Sie alle gut durch die Krise kommen. Denn es gibt ganz bestimmt eine Zeit danach, mit vielen Zielen. Je bewusster und enger Sie in dieser Zeit mit Ihren MitarbeiterInnen kommunizieren, desto stärker wird die Mitarbeiterbindung in der Zeit danach sein. Auch hierzu gibt es staatliche Förderungen (z.B. das Förderprogramm UnternehmensWert Mensch).

Ich könnte hier mit unzähligen Beispielen weitermachen. Viele Betriebe haben schon, auch mithilfe der Unternehmermanufaktur, damit begonnen die Zukunft zu gestalten. Und die liegt bekanntermaßen in einer guten Planung und im TUN.

3. Wie geht es weiter? Wird die Krise eventuell lange Nachwirkungen haben?

Eigentlich sind wir durch die Beantwortung der Frage 2 schon mitten im Weitergehen. Sobald Sie mit irgendeiner Maßnahme beginnen, starten Sie die Zukunft. Je mehr Sie sich damit beschäftigen, desto klarer wird die Zukunft vor Ihrem inneren Auge entstehen, eine Idee generiert die andere und so kommen Sie ins TUN.

Doch die Krise wird Nachwirkungen haben. Es wird sich einiges verändern. Was genau ist ebenfalls noch nicht spruchreif. Viele Experten sagen, dass 2020 noch ein sehr gutes touristisches Jahr wird, der Inlandstourismus wird sehr stark zunehmen. Das macht Hoffnung und Mut!

Unser Verhalten (und die daraus entstandenen Auswirkungen), das wir in dieser Krise kennengelernt haben, hat wahrscheinlich Auswirkungen auf unser Konsumverhalten. Wir haben erfahren, dass die Natur sich erholt, die Umweltschäden kleiner werden, wir bewusster mit unseren Nächsten und mit uns umgehen. Das ist zwar nicht bei allen so, doch bei vielen. Auch das wird sich bei der Nachfrage zu natürlichen und Naturprodukten, sowie Gesundheit und Gesundheitserhaltung zeigen.

Und genau darauf will ich hier hinaus – dass Sie sich mit Ihren Zielgruppen und deren Bedürfnisse auseinandersetzen. Was erwarten diese jetzt von Ihnen? Welchen Nutzen soll Ihr Restaurant & Hotel nun bieten? Wohin wollen Sie sich weiterentwickeln?

Fazit

Ja, bei allen Herausforderungen, die diese Krise mit sich bringt: Konzentrieren Sie sich auf die Zukunftsziele und lassen Sie Ihren Ängsten nicht allzu viel Raum. Nutzen Sie Ihre Netzwerke intensiv, geben Sie Vertrauen und Zuversicht, zeigen Sie Ihre Energie und Ihren Willen zum Weitermachen. Sie dürfen mir glauben, ich weiß aus Erfahrung, dass das funktioniert!

Nutzen auch Sie unser Netzwerk und unsere Erfahrung, wir stehen Ihnen für Ihre Fragen gerne zur Verfügung. Rufen Sie uns an, schreiben Sie uns eine Mail oder beteiligen Sie sich mit Ihrem Kommentar, bzw. Ihrer Erfahrung an unserem Netzwerk.

 

Herzlichst
Ihre Brunhilde Fischer

 

 

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