Lockdown - Sündenbock Gastronomie?

Lockdown - Sündenbock Gastronomie?

Der aktuelle Lockdown und seine Fragezeichen für die Branche!

Die Hoteliers und Gastronomen stellen sich hier momentan folgende Fragen:
Wie konnte es dazu kommen - was lief falsch? 
Und wollen wir eigentlich Weihnachten wieder öffnen oder doch lieber erst im Frühjahr?

Erneut zog die Regierung diese unwirkliche Notbremse. Die Gastronomie bleibt geschlossen.
Seit Anfang November bis nun noch mindestens bis Weihnachten, höchstwahrscheinlich länger. Die Reaktionen unter den Gastronomen und Hoteliers sind sehr unterschiedlich. Viele würden sich sehr freuen, wenn sie zu Weihnachten ihre Gäste willkommen heißen könnten – endlich ist das Haus wieder voller Leben und Trubel. Andere allerdings wägen Aufwand und Kosten mit dem Nutzen ab. Die Wirtschaftlichkeit steht in diesen Monaten nun mal vor der weihnachtlichen Romantik und der Leidenschaft, Gastgeber zu sein. Einige sind besonders wütend, andere akzeptieren emotionslos die Maßnahmen als eine vollendete Tatsache, mit der sie sich befassen müssen. 

Wie konnte es zu dem erneuten Lockdown kommen? 

Quarantäne
Corona-Maßnahme: Abstand

Viele Unternehmer, mit denen ich spreche, verstehen nicht wirklich, was passiert ist: "Wir haben uns so sehr bemüht, nicht wahr? Haben wir nicht auf die Maßnahmen geachtet? Es gab doch in der Gastronomie kaum Infektionen? Wir haben alles eingehalten und werden dennoch bestraft.“ Man könnte den Eindruck bekommen, dass die Gastronomie als Sündenbock herhalten muss auf Kosten derer, die meinen, sich nicht an die Regeln halten zu müssen.

Zwei Beispiele hierzu:

„Wir sind 1 Haushalt“

In der letzten Oktoberwoche habe ich mit einem Bekannten über den Verlauf bzw. die Pläne jenes Abends gesprochen:

Ich: "Gehst du heute Abend zum Abendessen aus?"
Er: "Ja, solange ich noch kann, nehme ich an, wir gehen zu einem sehr guten Italiener!"
Ich: "Oh schön, gehst du mit Deiner Frau dorthin?"
Er: "Nein, ich gehe mit vier Freunden hin, super lustig ..."
Ich: "Ähm, das ist nicht erlaubt, oder?"
Er: "Oh, hahaha, ja wir sind ein Haushalt sagen wir immer. Hahaha, ja 5 Brüder, hahaha wir leben immer noch zu Hause! "

„Vorbild Promi? Ähm – eher nicht!“

Am Feiertag des 3. Oktobers sah ich eine Gruppe prominenter Personen (zu groß im Rahmen der damals geltenden Maßnahmen) in einem Restaurant zusammenkommen. Sie ließen sich an diesem besonderen Tag gemeinsam für die Zeitung fotografieren. Pünktlich sagte einer von ihnen: „Oh Leute, wir müssen uns eine Weile vom Bild zurückziehen!“ Sie lachten und distanzierten sich. Nach den Fotos setzten sie sich zusammen - an einem Tisch. Die Maßnahmen galten offenbar auch nicht für sie. Beschämt übersah der Manager es.

Ist das nun Absicht, Ignoranz oder vielleicht tatsächlich auch Unwissenheit?

Denn, wie war das nochmal? Wenn Sie zufällig Leute auf der Straße fragen, welche Regeln in der Hotellerie bis vorletzte Woche gelten, werden Sie sicherlich keine einheitliche Antwort erhalten. In der Tat, selbst wenn Sie Leute aus der Hotel- und Gastronomie-Branche fragen würden, werden Sie das nicht hinbekommen. 

  • Registrierung? Vorab oder vor Ort? 
  • Ist ein QR Code an der Tür genug? 
  • Gleicher Haushalt? 
  • Darf ich Menagen auf den Tisch stellen? Auf Wunsch bringen?
  • 1,5 Meter? 
  • Gleiches Auto? 
  • An der Bar stehen? 
  • Mit einem Drink spazieren gehen? 
  • Mit sechs Leuten am Tisch? Kinder zählen nicht? Kinder bis zu welchem Alter? 
  • Bis 22 Uhr geöffnet? 
  • Maximal 25 Gäste oder maximal 100 Gäste? Pro Raum oder pro Abschnitt? 
  • Tagung oder außerschulische Weiterbildung?
  • Handschuhe am Buffet oder Gabeln?

On top noch die ganzen Unterschiede in den einzelnen Bundesländern…

Die Richtlinien wurden so oft geändert und unterschiedlich interpretiert, dass niemand verstand (oder so getan hat), was los war. Regeln, die für die Gastronomie gelten, müssen auf einen Bierdeckel passen, sonst klappt es nicht. Jeder (Gast und Angestellter) muss sie verstehen und jeder muss sich daran halten. Die Vorgaben müssen kristallklar sein und dürfen sich nicht andauernd ändern.

Weihnachten: Restaurant öffnen oder nicht?

Weihnachtstisch
Festtafel an Weihnachten

Wie gesagt, der Teil-Lockdown ist nun erst mal bis Weihnachten verlängert worden. Da stellt sich für den Gastronom und den Hotelier natürlich die Frage: soll bzw. will ich mein Restaurant nun für eine eventuelle Öffnung vorbereiten oder nicht? Lohnt sich das?

In den letzten Tagen habe ich dazu einige meiner Kunden direkt gefragt: 

„Öffnen Sie lieber erst im Frühling als zu Weihnachten?“

"Wenn ich ehrlich bin, bevorzuge ich eigentlich, dass wir dieses Jahr nicht mehr eröffnen dürfen. Es mag verrückt klingen, aber wie stellen Sie sich das vor? Alles dekorieren? Warnlichter im Weihnachtsbaum? Wieder den ganzen Tag Corona-Regeln-Polizist spielen? Wenn wir schon mit vielen Einschränkungen und Maßnahmen öffnen dürften - es macht viel Stress, aber keinen Gewinn.“

Viele Unternehmer haben mit dem Jahr 2020 abgeschlossen bzw. bereits abschließen müssen. Sie ziehen buchstäblich Bilanz, machen die Bücher zu und hoffen, nie wieder in sie rein zu schauen. Sie berechnen, wo sie sich im Jahr 2021 befinden werden, wenn sie vorsichtig wieder öffnen dürfen.

Und  - am Ende lieber eine staatliche Entschädigung, mit der man planen kann, als zu öffnen und keiner kommt aus Angst.

Licht am Ende des Tunnels – mit Resilienz und Optimismus

Smileys
Optimistisch bleiben!

Im Frühjahr 2020 war alles neu, wir wussten nicht, womit wir es zu tun hatten und alles schien hoffnungslos. Jetzt sind wir an die neue Situation gewöhnt, alle Möglichkeiten werden genutzt und am Ende des Tunnels scheint ein Licht zu sein. Es gibt hoffnungsvolle Berichte über Impfstoffe, Tests werden genauer und schneller. Die Wirtschaft hat in den Monaten, in denen die Maßnahmen reduziert wurden, enorm angezogen, so dass gute Hoffnung besteht, dass dies im Frühjahr 2021 wieder geschehen wird. Der Giftbecher muss jedoch vollständig leer sein. Es ist eine lange dunkle Zeit und Unterstützung wird dringend benötigt. In der Zwischenzeit gibt es viel Kreativität, Unternehmergeist und Zeit, um vollständig auf das Jahr 2021 vorbereitet zu sein. 

Leider gilt das nicht für alle, denn für einige Unternehmen ist die Wiedereröffnung zu spät und das schmerzt jedes Gastro-Herz.

Fazit

Solange die Leute denken, dass Regeln für alle gelten sollten außer für sich selbst, wird es niemals funktionieren. Dann öffnen und schließen wir weiter, bis niemand mehr öffnen kann. Jeder hat sein Bestes gegeben, aber es ging oft überall schief. Dies lag an den unklaren Regeln, an unwissenden Gästen und an der Tatsache, dass Gastronomie und Distanz einfach eine sehr schlechte Einheit bilden.

 

Herzlichst
Nicky-Alexander Böhmcke

 

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