Arbeitswelten der Generationen – Wie handeln, um neue MitarbeiterInnen zu gewinnen?

Arbeitswelten der Generationen – Wie handeln, um neue MitarbeiterInnen zu gewinnen?

Wie setzt sich der Pool der ArbeitnehmerInnen heute zusammen?

Kein Tag ohne die Standard-Aussage: Wir finden keine MitarbeiterInnen! Kein Tag ohne neue Vorschläge, wie man MitarbeiterInnen findet und bindet. Diese Sachlage beschäftigt in der Tat tausende Unternehmen und es ist höchste Zeit, konkrete Lösungsansätze zu entwickeln. Insbesondere in der Hotellerie und Gastronomie, die nicht unbedingt als die Branche mit den arbeitsnehmerfreundlichsten Rahmenbedingungen gilt.

Mehrere Generationen arbeiten zusammenZum ersten Mal in der Arbeitsgeschichte Europas arbeiten 5 Generationen nebeneinander. Das Lebensalter der Beschäftigten liegt zwischen 16 und 67 Jahren (in Einzelfällen auch höher).

Die Generationen:

  • Traditionalisten –zwischen 1922 und 1955 Geborene
  • Babyboomer – zwischen 1955 und 1969 Geborene
  • Generation X – zwischen 1969 und 1980 Geborene
  • Generation Y oder Millennials – zwischen 1980 und 2000 Geborene 
  • Generation Z – zwischen 1995 und 2010 Geborene

Sie alle wurden von verschiedenen Rahmenbedingungen, insbesondere jedoch sozialen, geprägt. Um die Generationen besser zu verstehen, ist es von Vorteil, sich die prägenden Konditionen und Umstände ihrer Kindheit und Jugend anzusehen. Dadurch können wertvolle Erkenntnisse für die Führung, und damit Gewinnung und Bindung, der jeweiligen Generation abgeleitet werden.

Im Einzelnen

Auf die Traditionalisten werde ich nicht mehr tiefer eingehen, da diese Generation fast vollständig im Ruhestand ist und nur noch marginal eine Rolle in der Arbeitswelt spielt. Vereinzelt, insbesondere in Führungspositionen, sind sie noch anzutreffen.

Babyboomer

Die Babyboomer hingegen ist die Generation, die gerade den Stab an die nächste weitergibt und damit die Führungspositionen bzw. Unternehmerpositionen frei macht. Die Anzahl der Ausscheidenden ist allerdings wesentlich größer als die Zahl der Nachrückenden.
Mit der Stabübergabe geht auch ein Wertewandel einher. Die Babyboomer sind absolute „Arbeitstiere“, die Arbeit kommt an erster Stelle im Leben. Die Grundeinstellung lautet: „Man lebt, um zu arbeiten.“ Geprägt durch die Nachkriegsjahre und Wirtschaftswunder, wurden sie zu Fleiß, Verantwortung und Ausdauer erzogen und haben somit auch den Grundstein des heutigen Wohlstandes gelegt.

Generation Baby-Boomer (fotolia/sepy)
Generation Baby-Boomer (fotolia/sepy)

Wichtigste Merkmale im Beruf:

  • Arbeitsplatzsicherheit hat einen der höchsten Stellenwerte
  • Arbeit ist ein hohes Gut
  • Begriff des Workaholics wurde durch diese Generation geprägt
  • sind teamorientiert
  • auf ihre Karriere fokussiert
  • wollen Führungspositionen
  • wollen gebraucht und 
  • wertgeschätzt werden für das, was sie tun

Eine angenehme Arbeitsatmosphäre oder Work-Life-Balance halten sie für weniger wichtig.

 

Generation X

Die nachrückende Generation X gilt ebenfalls als ehrgeizig, ambitioniert und materialistisch, jedoch auch skeptisch, kritisch, zurückhaltend und individualistisch, da ihre Kindheits- und Jungenderfahrung stark durch die Wirtschaftskrise und der aufkommenden Scheidungsrate (Auflösung traditioneller Familienstrukturen) geprägt wurde.  Sie wuchs in Wohlstand auf, durch die gemachten Erfahrungen hat sie Autoritäten und Traditionen in Frage gestellt.
Wichtigste Aussage: „Man arbeitet, um zu leben!“ Hier steht Arbeit nicht an erster Stelle, sondern ist  Mittel zum Zweck. Das Ziel: ein materiell sicheres Leben zu führen, sich etwas leisten zu können.

Die wichtigsten Merkmale im Beruf:

  • Bevorzugte Arbeitsweise – selbstständig und individualistisch, weniger teamorientiert
  • wollen Freiräume in der Arbeitsgestaltung
  • Hohe materialistische Vorstellungen an das Einkommen
  • Zeit ist jedoch wertvoller als Geld
  • ambitioniert bis ehrgeizig 
  • hoher Wert: gute Work-Life-Balance (wichtige Erkenntnis für die Arbeitswelt)

 

Generation Y

Die Generation Y, oder Generation why, hat, wie jede Generation zuvor, ihre eigenen Vorstellungen von der Welt, in der sie leben wollen. Geprägt durch Klimawandel, Globalisierung und Terrorismus, ist sie sich bewusst, dass Dinge sich schnell verändern, es keine Sicherheiten gibt und hat beschlossen, das Leben zu genießen.
Die Generation wird auch Generation Maybe, Generation Praktikum, Generation Me, Generation Beziehungsunfähig, Millennials oder – Generation Prekär, Generation Doof oder gar Generation Chips genannt. Die Bezeichnungen zeigen, welche Merkmale diese Generation kennzeichnen.

Generation Y (fotolia/zinkevych)
Generation Y (fotolia/zinkevych)

Die wichtigsten für den Beruf:

  • Arbeit muss Sinn ergeben, andernfalls sucht man sich was anderes. Das heißt, dass sie bereit sind, mehr zu leisten und zu lernen, wenn sie ein Projekt sinnvoll finden.
  • Führungspositionen sind nicht mehr so wichtig
  • bevorzugen flache Hierarchien
  • sind teamorientiert (Stichwort Teamwork/gleiche Wellenlänge)
  • sehr gerne vernetzt
  • Kollegialität sehr wichtig (Top Wert, lt. Studien)
  • eigene Entwicklung sehr wichtig (Top Wert, lt. Studien)
  • Arbeit und Leben wird gerne verbunden
  • Privates auf der Arbeit erledigen zu können ist wichtig
  • genauso wie man Berufliches in der Freizeit umsetzt
  • Status und Prestige sind nicht mehr wichtig (Rang 19 lt. Studie).
  • Sie spüren, wie gefährlich die Selbstausbeutung im beruflichen Leben sein kann und leben nach der Devise: „Beim Arbeiten leben und beim Leben arbeiten“.

 

Generation Z

Hier sind die Aspekte „Leben“ und „Arbeiten“ klar. Arbeiten ist für die Generation Z NUR ein Teil des Lebens.
Frühestens 1995 geboren, startet diese Generation gerade ins Arbeitsleben, sind also unsere zukünftigen Fachkräfte oder Auszubildenden. Daher wurde in Studien noch nichts besonders Relevantes & Wichtiges für das Berufsleben erforscht.
Trotzdem lassen sich auch für die Generation schon deutliche Tendenzen erkennen.

Aus den Erkenntnissen von Schulen, Praktikums und ersten Absolventen kann man erkennen, dass die Generation Z:

  • mehr Strukturen will – klare Vorgaben und  authentischer, glaubwürdiger Klartext
  • feste Abgrenzungen – insbesondere bei der Leistungs- bzw. Arbeitszeit (keine fließenden Grenzen)
  • Sinn und Selbstverwirklichung wird eher im Privaten gesucht und nicht in der Arbeitswelt
  • eher individualistisch orientiert
  • realistisch – wissen, dass sie eine unsichere Zukunft mit großen Herausforderungen erwartet
  • geringe Loyalität gegenüber Arbeitgeber oder anderen Institutionen, da sie aus dem sozialen Umfeld wissen, dass diese sehr oft leere Versprechungen von sich geben
  • online hypervernetzt, da sie mit der Digitalisierung groß geworden sind und diese als selbstverständlich sehen (alles wird online gegengeprüft)
  • ausgeprägter Wunsch nach Sicherheit 

 

Wie können Sie nun dieses Wissen für Ihre MitarbeiterInnenfindung und Bildung nutzen?

Zuerst mal ist das Verstehen der Generationen wichtig. Denn nur empathische Unternehmen können auf ihre MitarbeiterInnen eingehen und entsprechende Lösungen für die Gestaltung der Arbeitsplätze und Unternehmensziele entwickeln.

Generationen-Überschneidung (fotolia/zinkevych)
Generationen-Überschneidung (fotolia/zinkevych)

Vorausschicken will ich, dass diese Betrachtung nur eine allgemeine ist und es, wie immer, Ausnahmen von der Regel gibt. Sicherlich gibt es Menschen in der Generation X, die viele Merkmale der Generation Z haben. Und anders herum.

Daher ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten Maßnahmen in der Mitarbeiterpolitik, Führungskräfte so auszubilden, dass diese bereits beim Einstellungsgespräch erkennen, wer zum eigenen Unternehmen „passt“.

  • Gleichfalls wichtig: Um zu wissen, wer zu Ihnen passt, setzt voraus, dass Sie wissen, wer SIE sind und welche MitarbeiterInnen-Profile zu Ihnen passen?
  • Was Sie bieten?
  • Was erwarten Sie?
  • Welches Image haben Sie, ungeschminkt und in Klartext, am Markt?
  • Welche Ziele Sie mit Ihrem Unternehmen verfolgen und 
  • Wie Sie diese Ziele in einem Vorstellunggespräch bzw. Ihrer Präsentation nach draußen (online und Soziale Medien) darstellen?

Im digitalen Zeitalter ist es einfach, sich ein gutes und authentisches Bild von einem Unternehmen und den Menschen, die dort arbeiten, zu machen.
Stellen Sie sich auf die Herausforderungen der Zukunft ein.
Da der demografische Wandel voll im Gange ist, wird auch Ihr Unternehmen früher oder später mit  dem Thema „geeignete MitarbeiterInnen finden und binden“ konfrontiert werden.
Eine allgemeingültige Lösung bringt Ihnen dieser Blogartikel nicht.
Vielleicht aber einen Anstoß, dass es nun Zeit ist, sich mit dieser Thematik tiefer zu befassen und Ihr Profil als Arbeitgeber zu schärfen.

 

Zum Thema Mitarbeiter finden Sie weitere Informationen in unserem Beratungspaket "Personal­be­ra­tung und Personal­ent­wick­lung".

 

Die vielen Hotels haben bereits damit begonnen.

In den nächsten Tagen werde ich mit einer bekannten Hotelkooperation, und hier mit Hotelbetrieben, einen Praxis-Workshop durchführen, der sich genau mit diesem Thema beschäftigt und in diesem konkrete, umsetzbare Lösungen erarbeitet werden. Ich freue mich sehr darauf, denn nur TUN ist die Antwort auf diese scheinbar komplexen Themen unserer Zeit.

Bis zum nächsten Blog-Artikel wünsche ich eine lösungsvolle Zeit und stehe gerne für Fragen zur Verfügung.

 

Herzlichst 

Ihre

Brunhilde Fischer

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