Wie bitter soll das Leben sein? Die Heilkraft der Natur – für Körper und Geist

Wie bitter soll das Leben sein? Die Heilkraft der Natur – für Körper und Geist

Heilpflanzenkunde: Bitter-Stoffe sind gesund

Kräuter und Heilpflanzen beschäftigen den Menschen schon seit mehreren Jahrhunderten. Wenn die Natur im Frühling erwacht, beginnt auch ihre Hoch-Zeit. Gerade die jungen Kräuter und Triebe sind besonders wertvoll für unsere Ernährung und eine willkommene Abwechslung auf dem Teller. Pflanzliche Bitter-Substanzen helfen nicht nur bei körperlichen Beschwerden, sie gelten auch als bewährte Schönheitsmittel, weil sie für eine reine Haut, straffes Gewebe und klare Gesichtszüge sorgen. Zudem entgiften sie den gesamten Organismus und lassen auf vollkommen natürliche Art die Pfunde purzeln.
 
Maria Himmelfahrt ist eines der ältesten christlichen Hochfeste und wurde am 15. August gefeiert.
Die katholische Kirche zelebriert diesen Tag traditionell mit einer Kräuterweihe, die, dem Glauben nach, Krankheit und Unglück fern halten soll. Verschiedene Kräuter werden zusammengebündelt, während des Gottesdienstes geweiht und zu Hause getrocknet.

Auch der Geist profitiert von diesen Bitter-Substanzen:  Als hochpotente Gute-Laune-Macher tragen sie dazu bei, dass wir uns wohlfühlen und positiv ins Leben schauen!

Bitter ist neben süß, sauer, salzig und umami (wohlschmeckend) eine der fünf Geschmacks-richtungen. Doch die ungemein wichtigen Bitterstoffe wurden zugunsten des Süßen über die Jahrzehnte aus unseren Nahrungsmitteln weggezüchtet.
 
Können Sie sich vorstellen, dass der Durchschnittsbürger  pro Jahr 36 kg Zucker isst?
Das entspricht dem halben Körpergewicht!
 
Nach dem Genuss süßer Nahrung hat der Körper einen höheren Bedarf an Bauchspeicheldrüsensekret, für dessen Produktion Bitterstoffe gebraucht werden.
 
Bis heute integrieren naturnah lebende Völker überall auf der Welt Bitterpflanzen in ihre Nahrung, um gesund zu bleiben. Sie behandeln kranke und schwache Menschen mit bitteren Früchten, Blättern und Wurzeln, um sie zu stärken und zu heilen. Das Wissen, dass Medizin bitter schmecken muss, und dass Bitteres heilt, blieb auch in der westlichen Naturheilkunde erhalten und wird heute von der modernen Wissenschaft bestätigt.

Drei Gruppen von pflanzlichen Bitterstoffen:

Amara pura

Wie der Name schon andeutet, gehören zu dieser Gruppe reine (pure) Bitterpflanzen. In ihnen sind Bitterstoffe in besonders hohen Konzentrationen enthalten, sie weisen also die höchsten Bitterwerte auf. Den mit Abstand bittersten Naturstoff in Europa enthält die Wurzel des Gelben Enzians, er ist auch in einer Verdünnung von 1:300.000 noch zu schmecken.  Seine Substanz Amarogentin ist die wertbestimmende Komponente, an der alle anderen Bitterwerte festgemacht werden.
 
Neben der Enzianwurzel gehören auch das Tausendgüldenkraut, die Chinarinde, Artischockenblätter, Fieberkleeblätter und das Benediktenkraut zu den bekanntesten Amara pura in Europa.

Amara aromatica

Diese Pflanzen enthalten neben Bitterstoffen auch ätherische Öle. Schafgarbenkraut und die Pomeranzenschale sind hierbei noch relativ aromatisch, während Beifuß, Kalmus und Wermut fast schon so bitter sind wie die Amara pura. Weil die ätherischen Öle auch gegen Bakterien, Viren und Parasiten wirken, setzt man viele Amara aromatica auch bei Entzündungen im Darm ein.
Die meisten Küchenkräuter und -gewürze gehören zu dieser Sorte: Salbei, Rosmarin, Bohnenkraut, Dill, Koriander, Kerbel und Estragon, Kamille und Melisse.

Amara acria

Diese Pflanzen schmecken zwar eher scharf als bitter, enthalten aber trotzdem die Heilkraft von Bitterstoffen. Es ist die Kombination von scharf und bitter, die besonders wirkt – zum einen verdauungsfördernd, zum anderen tonisierend, also straffend und stärkend.
 
Weitere Pflanzen dieser Gruppe sind Ingwer, Kardamom, Zitwer und der pfeffrig schmeckende Galgant, der, ähnlich wie Kurkuma, zusammenziehend auf die Schleimhäute wirkt und den Kreislauf stärkt.

Heilkraft von Bitterstoffen

Die Wirkung  der pflanzlichen Bitterstoffe in einer ausgewogenen Ernährung ist verblüffend:
 
  • Verdauungsfördernde Wirkung (Verstopfung, Blähungen, Reizdarm)
  • Unterstützung eines gesundes Darmmilieus (Darmflora)
  • Verbesserung der Aufnahme von Nährstoffen und Vitaminen
  • Unterstützung der Stoffwechselentlastung, Verbesserung der Kreislauffunktion
  • Regulierung des Energiemetabolismus (Gewichtsregulation)
  • Regulierung des Appetites (Heißhunger, Lust auf Süßes)
  • Aktivierung der Entsäuerung
  • Antioxidative Wirkung (Fänger freier Radikale)
  • Verbesserung der Eisenresorption (Blutbildung, Anämie)
 

Das Bouquet der Meisterkräuter

Pflanzliche Bitterstoffe können täglich in ausgewogenen Rezepturen integriert werden. So wie eine Art Bouquet Garni habe ich hier für Sie ein Bouquet der Meisterkräuter zusammengestellt:

Der Löwenzahn

Eigenschaften: Leberkardinalmittel, Meister der Gewebeentgiftung, galletreibend, appetitanregend, entkrampfend, entgiftend, stoffwechselanregend, löst gastrische Kopfschmerzen, unterstützend bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Blutzucker regulierend, entzündungshemmend.
 

Bitter-Stoffe: Löwenzahn
Löwenzahn (pixabay/stefan089)

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe (Taraxin), Inulin, Vitamin C, Terpene, Steroide, Flavonoide
 
Emotionale Wirkung:
  • löst emotionale Stagnationen und Verbitterungszustände,
  • bringt innere Wut nach außen,
  • dämpft Heißhunger Attacken,
  • unterstützt bei chronischem Müdigkeitssyndrom aufgrund mangelnder Leberenergie.

Die Wegwarte

Eigenschaften: Meister bei leberbedingten Verdauungsstörungen und bei Gallestörungen, appetitanregend,  blutzuckersenkend (Insulin), entgiftend (Schwermetallbelastung), unterstützt Ausscheidung bei Entschlackungskuren

Bitter-Stoffe: Wegwarte
Wegwarte (pixabay/tanner)

Inhaltsstoffe:  Inulin, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Zucker
 
Emotionale Wirkung:
  • entschärfend und lösend,
  • „Macho-Kraut“ für besitzergreifende, manipulative Machtmenschen und egoistische Gefühlstyrannen, die sich gerne bei anderen einmischen.

Die Mariendistel

Eigenschaften: Schützerin der Leber! Pflanzliches Hauptmittel bei Leber-und Gallenleiden, bei Toxin bedingten Leberbelastungen (Alkohol, Knollenblätterpilz), unterstützend bei Hepatitis, Leberzirrhose, Fettleber.
 

Bitter-Stoffe: Mariendistel
Mariendistel (pixabay/perfectly)

Inhaltsstoffe: wertvolle Bitterstoffe
 
Positive emotionale Wirkung bei:
  • Migräne
  • Übelkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Schwindel

Der Beifuß

Eigenschaften:  krampflösend, verdauungsfördernd, Galle- und harntreibend, kreislaufanregend,  Tonikum/Aufbaumittel, blutreinigend, antimikrobiell, regt Östrogen-und Gestagen-Produktion an, menstruationsfördernd, geburtserleichternd, wärmt den Unterleib.
 

Bitter-Stoffe: Beifuß
Beifuß (pixabay/dcland2)

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Sesquiterpenlactone, Ätherische Öle, Flavonoidglycoside
 
Emotionale Wirkung:
 
  • Unterstützt die Wahrnehmung der Psyche, bringt Klarheit und innere Stärke,
  • Amazonenkraut: baut eine starke Frau auf bei Schwäche und Erschöpfungszuständen,
  • Stärkt bei vegetativer Labilität.

Die Engelwurz

Eigenschaften: krampflösend, galletreibend, verdauungsfördernd,  anregend auf Magen-und Bauspeicheldrüsensekretion, erwärmend auf die Bauchorgane, fruchtbarkeitssteigernd, fördert Eisenresorption, stärkt die „Mitte“.
 

Bitter-Stoffe: Engelwurz
Engelwurz (pixabay/anandasandra)

Inhaltsstoffe: Cumarine, Cumarinderivate, ätherische Öl, Polysaccharide, Bitterstoffe, Gerbstoffe
 
Emotionale Wirkung:
  • Verbindet die Erde mit dem Himmel,
  • Tonikum in allen Belastungssituationen (Stress, Müdigkeit, Schwäche, Nervosität),
  • Balsamisches Stärkungsmittel für Körper, Geist und Psyche.

Der Lavendel

Eigenschaften: Krampflösend, entzündungswidrig, nervenstärkend, mild beruhigend, unterstützt die geistige Klarheit. Beruhigt bei Nervosität verbunden mit Magenschwäche, Unruhezustände, Einschlafstörungen, funktionelle Oberbauchbeschwerden, nervöse Darmbeschwerden.
 

Bitter-Stoffe: Lavendel
Lavendel (pixabay/hans)

Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, Monoterpene (Linalylacetat, Linalool), Gerbstoffe (Rosmarinsäure), Flavonoide, Phytosterole.
 
Emotionale Wirkung:
  • Lavendel wirkt klärend,
  • Bringt Ruhe und Nervenstärke,
  • Hilft den „Geist zu klären“, bei  Überanstrengung und geistiger Überarbeitung
  • Hilft den Kopf frei zu machen um wieder konzentrations-und denkfähig zu werden, Löst seelische Spannungen, aufgestaute Gefühle, stellt die innere Balance her,
  • Begleitend bei Suchtneigung,
  • Beruhigt aufgeregte Kinder,
  • Unterstützend bei Altersdemenz und Unruhe.

Der Enzian

Eigenschaften: anregend auf Magensaft-, Pankreassaft-und Speichelsekretion, unterstützt besonders die Eiweißverdauung, appetitanregend, tonisierend, regt Gallefluss an, unterstützt das Immunsystem oxidationshemmend, Zell protektiv.
 

Bitter-Stoffe: Gelber Enzian
Gelber Enzian (pixabay/LittleThought​)

Inhaltsstoffe: Bitterstoff, Gerbstoff, Gerbsäure, Gentianose, Gentiopikrin, Inulin, Schleim, Zink
 
Emotionale Wirkung:
  • Hilft „unverdaute“ Gefühle zu verarbeiten, 
  • Stärkt Durchhaltekraft und Zuversicht ,
  • Hilft  Herausforderungen anzunehmen und Problemlösungen in Angriff zu nehmen, Selbstmitleid zu überwinden,
  • Tonisierend bei Erschöpfung und Schwäche.

Fazit

Bereits im 15. Jahrhundert sagte Paracelsus: 
 
Krankheiten entstehen, wenn der Mensch als leibliches, seelisches und geistiges Wesen aus irgendeinem Grund aus dem harmonischen Gefüge der Natur herausfällt. Eine ausgewogene Ernährung hilft ihm, als Teil dieser Natur zu leben und nicht in Widerspruch zu ihr zu stehen.
 
Ohne überreligiös sein zu wollen…
Doch ein guter Grund, um sich, bei wem auch immer, dafür zu bedanken.  Oder?
 
Ihr Didier Morand
 
 
Quelle:  Andreas Hammering (2016). Gut, besser, bitter: Bitterstoffe - die geheimen Energiespender - Power für den Darm. Südwest Verlag.
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