Mentoring 2.0: Rock your business!

Mentoring 2.0: Rock your business!

So geht Wissensaustausch heute!

Wissensvermittlung ist keine Einbahnstraße. Warum das klassische Mentoring heute nicht mehr zielführend ist und was Arbeitgeber stattdessen in ihrem Betrieb für eine Wissens-Philosophie einführen sollten, erläutere ich in diesem Beitrag.

Erst vor kurzem saß ich in einem Beratungsgespräch, als eine junge Mitarbeiterin in den Raum hereinkam, um ihren Chef etwas zu fragen. In diesem Zusammenhang fragte ich sie, wie ihre Meinung zu einer geplanten Werbekampagne sei, die wir gerade dabei waren auszuarbeiten. „Langweilig! Und zu altbacken“ war ihre unverblümte, spontane und ehrliche Aussage.
Der Hotelier und ich schauten uns an und schluckten beide erst einmal. In dem darauffolgenden Gespräch mit der Mitarbeiterin ließen wir uns ihre Aussage näher erläutern. 
Das für mich Spannende war, dass sie Recht hatte und ich für mich ein paar sehr interessante Aspekte neu dazu lernen konnte, wofür ich ihr sehr dankbar bin. Schlussendlich haben wir mit Unterstützung dieser jungen Mitarbeiterin ein komplett neues Konzept erstellt, das bereits auf dem Markt ist und seine volle, positive Wirkung zeigt!
Diese beschriebene Situation gehört für mich persönlich leider nicht zu den gängigsten, beruflichen Erfahrungen. Warum tun sich immer noch so viele Menschen in Führungspositionen schwer damit, sich einen Rat oder ein Mentoring von vermeintlich „weniger wissenden“ Mitarbeitern einzuholen? Gehört es sich nicht, oder ist die Angst vor einem Gesichtsverlust, dass man etwas vielleicht nicht wissen könnte, zu groß?

Das klassische Einbahnstraßen-Mentoring hat ausgedient

Schaut man bei Wikipedia nach, findet man folgende Begriffserklärung zu Mentoring:
„Mentoring, auch Mentorat, bezeichnet als ein Personalentwicklungsinstrument die Tätigkeit einer erfahrenen Person (Mentor). Sie gibt ihr fachliches Wissen oder ihr Erfahrungswissen an eine noch unerfahrenere Person (Mentee oder Protegé) weiter. Ein Ziel ist es dabei, den oder die Mentee bei persönlichen oder beruflichen Entwicklungen zu unterstützen.“
Soweit so gut. Nur leider wird dieses Mentoring in den Führungsebenen aus meiner Sicht nur allzu einseitig praktiziert und umgesetzt. Bisher ist es größtenteils immer noch so, dass junge Fachkräfte von erfahrenen und zumeist „älteren Mentoren“ an der kurzen Leine gehalten werden und nach dem Einbahnstraßenprinzip gecoacht werden – das klassische Mentoring eben. Was auf der einen Seite auch sehr wertvoll sein kann, ohne Frage. 

Gegenseitiges Mentoring
Gegenseitiges Mentoring (fotolia / djama)

Aber um als Unternehmer und Führungskraft am Puls der Zeit bleiben zu können, ist das umgekehrte Mentoring ebenso wichtig, notwendig wie auch elementar. Hier gibt der weniger „erfahrene“ Mitarbeiter sein Wissen und seine Erfahrung an den „alten Hasen“, wie oben in meinem Fall beschrieben, weiter. Gerade die Mitarbeiter, die an der Basis mit den Kunden/Gästen arbeiten, können so wertvolle Impulse und Denkanstöße für die Weiterentwicklung eines Betriebes geben. Hier verbirgt sich zum Teil ein ungeahnter Wissensschatz, dessen Ausmaß und Potenzial gar nicht seitens der Verantwortlichen gesehen bzw. wahrgenommen wird. 

Durch ein gegenseitiges, gelebtes Mentoring, kann eine ganz neuartige Beziehung entstehen, bei der sich beide Parteien für neue Denkweisen, Strategien, Gefühle, Annäherungen und Interaktionen öffnen können. Im älteren, erfahreneren Mentor sieht der Mitarbeiter, wer und was er eines Tages sein könnte – oder vielleicht auch bewusst nicht sein möchte. In den Teammitgliedern sieht die Führungskraft, wo er oder sie mal begonnen hat und wie anders die Welt von morgen sein wird. Vielleicht wird man dadurch an den eigenen Drang zu Veränderungen und zu unkonventionellen Ideen von damals zurückerinnert, der sich aber im Laufe der Berufsjahre allmählich abgenutzt hat. So kann sich ein gegenseitiger Austausch auf Augenhöhe für beide Seiten als ein wertvoller Augenöffner, eine Inspiration, ein neuer Tatendrang und ein positiver Gedankenanstoß entwickeln. Beide Parteien werden dadurch zwangsläufig zur Selbstreflexion und zum aktiven Hinterfragen der bisherigen Denkmuster und Glaubenssätze geführt. Im besten Sinne also ein Blick über den eigenen engen Tellerrand hinaus.

Zeitgemäßes Mentoring heißt, sich auch bei Mitarbeitern ein Gehör zu verschaffen

Zeitgemäßes Mentoring
Zeitgemäßes Mentoring (fotolia / otsphoto)

Das herkömmliche Mentoring funktioniert meiner Meinung nach heute nicht mehr nach dem eingefahrenen Einbahnstraßenprinzip. Will man Mitarbeiter, jung oder alt, an sein Unternehmen binden und darüber hinaus für sein Business attraktiv und innovativ bleiben, sind wir alle dazu aufgefordert, unsere alten Muster loszulassen und uns Gehör bei den Mitarbeitern zu verschaffen, die etwas dazu zu sagen haben. Im Grunde spielt es keine Rolle, wer von wem ein Mentoring bekommt. Wichtig ist doch im Grunde das Ziel und wie wir als Team bzw. Gemeinschaft dorthin kommen. Dies hat nichts mit Kontrollverlust oder Eingestehen von Schwächen zu tun, sondern mit Größe und zeitgemäßem Führen. Egoisten werden es zukünftig schwer haben, sich am Markt zu behaupten. Es geht heute nicht mehr darum, sein erlangtes Wissen aus der Vergangenheit mit allen Mitteln durchsetzen zu wollen. Wissen bietet eine Grundlage, aber dieses ist immer wieder mit den sich täglich wechselnden Einflüssen und Veränderungen neu anzupassen und zu modellieren. Und wer könnte uns da ein besseres Spiegelbild abgeben als die Menschen, mit denen wir tagtäglich zusammen sind und arbeiten. Sie revolutionieren und inspirieren mit ihren neuen Gedanken und Ideen die Unternehmer-Welt von morgen. Ob wir wollen oder nicht. Nur wenn wir als Chef oder Führungskraft dafür nicht aufgeschlossen sind, stehen wir über kurz oder lang alleine da. Denn es gibt bereits Arbeitgeber, die vielleicht nicht besser bezahlen, aber ein Bewusstsein dafür geschaffen haben, ihren Mitarbeitern zuzuhören und sie mit in die Unternehmensprozesse mit einzubeziehen.

Also ist es langsam an der Zeit, alte Zöpfe abzuschneiden und sich neue, zeitgemäße Führungsqualitäten anzueignen. Denn wie würden wir uns selber dabei fühlen, wenn unser direkter Vorgesetzter immer ein offenes Ohr für uns hätte und uns darin bestärken würde, weiterführende Ideen und Impulse miteinbringen zu können? Wir würden uns wertgeschätzt fühlen und anerkannt; und unser Tun bekäme eine ganz neue Form der Motivation. Eben dieses, was viele Arbeitnehmer vermissen und deshalb zur Unterforderung konditioniert werden. Auch steht nirgends geschrieben, dass Arbeitgeber immer die Lösung parat haben müssen. Deshalb haben sie ja eigentlich auch MITarbeiter an ihrer Seite.

 

Fazit

Rock your Business
Rock your Business (fotolia / fotofun)

Um sein eigenes Business in Zukunft weiter erfolgreich „rocken“ zu können, ist es ratsam, mal sein direktes Umfeld an Kollegen und Teammitgliedern zu betrachten und hier sich zu ausgewählten Themenfeldern inspirieren und „coachen“ zu lassen. Anfangen kann man mit monatlichen Treffen, bei denen gezielte Diskussionspunkte angesprochen werden, die es zu lösen gilt bzw. es neuer Ideen bedarf. Meine Erfahrung hat bisher gezeigt, dass man durch ein gegenseitiges Mentoring nicht dümmer wird. Ganz im Gegenteil!

Wir sollten nicht in Konkurrenz zueinanderstehen, sondern die vorhandenen Potenziale weiter entwickeln, freisetzen und anerkennend nutzen. Denn in der jeweiligen Einzigartigkeit liegt die optimale Problemlösung und Unterstützung für andere Menschen. Also: Rock your business und mache es mit wertschätzendem sowie gegenseitigem Mentoring noch größer!

Ihr 
Jan Schmidt-Gehring

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